Neue Gesichter und ein trauriger Abschied

Seit Anfang Oktober haben Jakob und ich wieder neue Mitbewohner. Nachdem Jonny zu seinem Trip nach Eastern Province aufgebrochen ist, um dort Bäume zu zählen, haben wir 6 Wochen lang das Freiwilligenhaus in Shampande für uns gehabt. Im Rückblick doch eine relative lange Zeit, die im Vergleich zu einer vollen Wohnung mit 5 oder 6 Personen doch relativ unspektakulär war.

Aber nun zu den neuen Gesichtern: Da wäre zum einen Sarah. Eine 28-jährige Französin, die ihren Job in Frankreich gekündigt hat, um ein wenig weiter die Welt zu erkunden und um im Ausland zu arbeiten. Sie hat bereits eine Zeit lang in den USA und in Mexiko gelebt. In Mmabana hilft sie im Business-Bereich mit und ist gerade dabei in Zusammenarbeit den Grundstein für das Mmabana-Tailoringprogramm zu legen. Hierzu aber später noch etwas mehr.

Richtig cool finde ich auch ihre Internetseite, auf der sie über beeindruckende Persönlichkeiten, die ihr auf ihrer Reise nun begegnen, schreibt. www.extraordinaire-worldtour.com Ist zwar alles auf Französisch, aber selbst für mich mit meinem eingerosteten Schulfranzösisch gut verständlich. Falls ihr ein paar Französischkenntnisse habt, solltet ihr auf jeden Fall mal dort vorbeischauen.

Mit Sarah teile ich mir jetzt, seitdem über einem Monat bereits, mein kleines Zimmer mit dem Hochbett und wir haben’s mittlerweile auch mal geschafft morgens joggen zu gehen 😀

Mit Sarah über Südafrika ist auch Pierre-Yves aus Deutschland gekommen. Er ist Jonnys Bruder und leidenschaftlicher Filmemacher und seitdem er hier ist auch Fotograf. Er dreht über die verschiedenen Mmabana-Aktivitäten wie Kids Club, Reading & Writing Club und Outreach kurze Filme, die Mmabana dann für Informations- und Werbezwecke nutzen kann. Ebenso hat er für die Friends of Mmabana die Fotomotive für die neuen Weihnachtskarten für dieses Jahr geschossen. Er teilt sich hier nun mit Jakob ein Zimmer und bereichert unser Leben mit Scons und Muffins.

Jonny ist mittlerweile auch wieder hier. Er ist mit seiner Freundin Lisa aufgrund technischer Probleme am Auto ein paar Tage nach Sarah und Pierre-Yves aus Lusaka gekommen. Lisa blieb für etwas länger als eine Woche bei uns und hat das sambianische Leben nochmals kennen gelernt. Viel Zeit wurde mit unseren Nachbarskindern verbracht und ein Trip nach Livingstone zu den Victoria Falls mit dem ganzen Haus war auch drin. Etwas enttäuschend vielleicht, da der Sambesi zu dieser Jahreszeit, kurz bevor bzw. am Anfang der Regenzeit, nur sehr wenig Wasser führt und nur ein kleiner Streifen Wasser an der großen Felswand in die Tiefe stürzt, aber als „Familien-/Hochzeitsausflug“ doch genial.

 

So kommen wir jetzt mal zur Arbeit. Das Mmabana-Tailoringprogramm besitzt im Großen und Ganzen zwei Aspekte. Zum Einen sollen Schuluniformen geschneidert werden und zu einem sehr günstigen Preis an Schülerinnen und Schüler verkauft werden, die sich ansonsten die teuere von der Schule direkt angebotenen nicht leisten können. So unterstützt Mmabana noch weiter die Bildungsmöglichkeiten für finanziell benachteiligte Kinder, allerdings wird so auch das Einkommen für die Schneider und ihre Familien gesichert. Zum Anderen wird aus typisch afrikanischem/sambianischem Chitenge-Material Kleidung für Europa und Südafrika geschneidert. Chitenge sind Tücher, die von Frauen hier eigentlich immer getragen werden. Sie sind an sich sehr praktisch und ich habe mich mit ihnen auch schon angefreundet. Besonders zum Kochen sind sie nützlich, aber mit Chitenges werden auch die Kinder auf dem Rücken getragen.

Hieran arbeiten Sarah und Pierre-Yves gerade. Wir, also eigentlich jeder im Shampande-Haushalt inklusive Lisa hat sich irgendetwas aus dem Material schneidern lassen. Jakob hat z.B. ein Hemd und Schlafhosen geordert oder Sarah, Lisa und ich haben uns Kleider und Röcke machen lassen. Pierre-Yves war der große Designer hinter allem und am Ende dann auch der Fotograf, der seine Models, also uns und ein paar von den einheimischen Jugendlichen, für den Katalogshoot in Szene gesetzt hat. Die Kleidungsstücke sind alle maßgeschneidert und wunderschön. Unsere Schneiderin ist schon beeindruckend, denn sie schafft es als alleinerziehende Frau ihre drei Kinder großzuziehen und unsere teilweise abgedrehten Wünsche an der Nähmaschine zeitweise mit dem Jüngsten an der Brust umzusetzen. So viel als kleinen Ausblick..

In meinen Projekten ist seit dem letzten Blog doch auch einiges passiert.. Um nicht zu weit abzuschweifen, werde ich mich diesen Blog mal auf Outreach beschränken. Dort waren die letzten zwei Monate doch ziemlich turbulent.

Wir hatten einen riesigen Grund zu feiern, da die Toilette, die für unseren Klienten Mr. Peter gebaut wurde, endlich fertig gestellt wurde. In Mmabanagrün gestrichen wurde sie groß, feierlich und offiziell überreicht. Nosiku, die Leiterin Mmabanas und unsere Chefin, hat eine Rede gehalten und viele leitende Mitglieder der Organisation waren anwesend. Selbst der DOW, der Stellvertreter des „Bürgermeisters“ hat uns und Mr. Peter die Ehre erwiesen und ein paar Worte an alle gerichtet. Dieser Tag war ein sehr besonderer im Leben von Mr. Peter und er war überglücklich.

Weniger als eine Woche nach der feierlichen Übergabe der Toilette ist der gute Mr. Peter verstorben. Ein Schock für uns alle und Grund zur Trauer.

Mr. Peter war eine so beeindruckende Persönlichkeit. Er konnte trotz seiner problematischen Umstände doch noch lachen. Mr. Peter lebte nicht nur in einem winzigkleinen Haus ohne Strom und fließend Wasser, sondern war auch noch körperlich gehandicapt. Um zu laufen brauchte er immer Gehhilfen oder wenigsten einen kleinen Schemel zum Abstützen. Er war ein gläubiger Mensch und immer soo glücklich, wenn wir in besucht haben.

Als Sarah ihn das erste Mal mit uns besucht hat, meinte sie „über ihn muss ich schreiben… er ist so eine starke Persönlichkeit“. Ein Artikel über ihn und auch ein Foto findet ihr auf ihrer Internetseite.

Ich kann es immer noch nicht wirklich glauben, dass er von uns gegangen ist. 2 Tage nach seinem Tod fand die Beisetzung statt. Wir und einige andere Mitglieder Mmabanas waren auf seiner Beerdigung, um ihm die letzte Ehre zu erweisen und uns von ihm gebührend zu verabschieden.

Ich habe jetzt nicht so viel Ahnung von Beerdigungen in Deutschland oder Europa, aber hier ist es doch noch mal anders. Zuerst haben wir die Kirche besucht, wo eine Andacht gehalten und der Leichnam noch mal gezeigt wurde. Anschließend sind wir, also die Gäste auf einem Truck zum Friedhof gefahren. Der Sarg und die Angehörigen sind separat mit einem Pick-up gefahren. Die Verwandten haben auf dem Weg zur und in die Kirche und auch danach laute Trauerschreie von sich gegeben und herzzerreißend geweint. Auf dem Weg zum Friedhof, während der Beisetzung und bereits in der Kirche wurde von den Frauen fast durchgehend Lieder gesungen. Nachdem der Sarg in das Grab gelassen wurde wird noch mal ein Wort Gottes gesprochen und dann werfen zunächst die Angehörigen und der Pastor eine Hand voll Sand in die Grube. Danach dürfen ungefähr alle anwesenden jungen Männer dabei helfen mit Schaufeln das Loch zu füllen und einen Haufen darüber aufzuschichten.

 

Zum Abschluss werden nach und nach alle Verwandten, Freunde, Bekannte, Würdenträger etc. aufgerufen, um Blumen auf das Grab zu stecken und Reden werden gehalten.

Als Frau trägt man zu so einem Anlass einen Chitenge und wie sonst auch üblich schwarz.

 

Wir haben die Familie anschließend nicht mehr besucht, aber wie es hier üblich ist, haben wir sie mit Lebensmitteln und ähnlichem für die Bewirtung der Trauergemeinde unterstützt. Normalerweise hilft man der trauernden Familie z.B. auch mit Kochen oder Hausarbeit und stattet ihnen einen Besuch ab.

Tod ist hier ein sehr gegenwärtiges Thema und diese Beerdigung war bereits die Zweite, die Jakob und ich hier besucht haben.

Wir hatten in unserer letzten Zeit hier allerdings nicht nur Trauer, sonder auch glückliche Momente, die wir miterleben  durften. So hatten wir die Möglichkeit eine Hochzeit mitzuerleben und dort etwas zu feiern.

 

So viel erstmal zu diesem etwas traurigerem Blogeintrag.. der nächste wird wieder etwas fröhlicher und lässt auch hoffentlich nicht so lange auf sich warten.

 

Twatotela für’s Lesen (Danke ist auch ungefähr mit das einzige Wort, dass ich in Bemba kann) und liebste Grüße aus Sambia, wo das Wetter im Moment ziemlich große Stimmungsschwankungen hat. Zwischen ungefähr 50° mit knallendem Sonnenschein und kalten heftigen Regenschauern ist im Moment alles dabei. Die Regenzeit fängt gerade an.

Megan

“We are all Zambia together!”

Eine kleine Videoimpression vom Herzensgesang der Kinder des Reading and Writing Clubs in Vorbereitung auf den sambischen Unabhängigkeitstag.

Der sambische Unabhängigkeitstag steht vor der Tür und wie gewöhnlich wird das Mmabana Community Outreach als bedeutsamer Teil der Stadtgemeinschaft an den offiziellen Festlichkeiten eine performative Rolle übernehmen. Die Vorbereitung dazu befinden sich im vollen Gange. Ein nicht zu überhörbarer Programmpunkt ist der Gesang der Kinder des Reading and Writing Club. Jeden Dienstag- und Donnerstagmorgen werden die letzten noch schlafenden Voluntäre im Shampande Center aus ihren Schlaf gerissen, weil die Kinder mit ganzem Herzen und aus vollem Halse „We are all Zambians together; Zambia is our country!“ singen.

 

Das Lied besitzt Ohrwurmpotential und die Kinder singen so innig, dass wir unseren Lesern auch einen kleinen Geschmack dessen anbieten wollen anhand einer kurzen Videoimpression, die im Youtube abrufbar ist. Wir wünschen dabei viel Spaß und laden dazu ein, mitzusingen! Seid jedoch wie gesagt gewarnt: Ohrwurmpotential! Wir können es bezeugen.

Mister Peter, der glücklichste Mann der Welt!

Ein Blogartikel von Sarah Strittmatter, übersetzt und überarbeitet von Natalie Zaiß | 2012-10-27 | Choma, Zambia

Der nachfolgende Artikel wurde von Sarah Strittmatter geschrieben. Sarah ist eine junge Französin die sich entschlossen hat das Ende des Jahres 2012 als Freiwillige beim Mmabana Communtiy Outreach Projekt zu verbringen. Sarah verbringt ihr Sabbatjahr auf der Suche nach „außergewöhnlichen Menschen“ die sie mit einer grünen Sonnenbrille markiert und deren persönliche Geschichten sie auf ihrem Blog veröffentlicht. In Choma hat sie einen dieser besonderen Menschen getroffen, Mister Peter der durch die Nachbarschaftshilfe von Mmabana betreut wird. Dies ist die berührende Geschichte von der Verwirklichung von Träumen und von unendlicher Dankbarkeit, die alle Gewinnmaximierung in Frage stellt.

Hier nennen sie ihn „Mister Peter“. Dieser ältere Herr besitzt fast nichts und ist trotzdem der glücklichste Mann der Welt. Er lebt allein in einer Hütte die 5m² misst. Dort hat er weder Wasser- noch Stromversorgung. In seiner kleinen Hütte befindet sich all sein Besitz: ein kleines Bett zum Schlafen, einige alte Fotos und Bilder, Kleidungsstücke und sein Rollstuhl. Mister Peter kann nicht gehen. Die meiste Zeit verbringt er mit der Bearbeitung von Holzstücken. Er sitzt auf einem Hocker und unterhält sich mit vorbeigehenden Nachbarn. Manchmal verlässt er die Hütte um Wasser zu holen und es in Plastikflaschen abzufüllen, oder er kauft Maismehl, um Nshimabrei zu kochen, oder auch Kerzen, um Licht in seiner Hütte zu haben. [Trotz seiner ärmlichen Umstände] beschreibt sich Mister Peter in seinem neuen Haus als „der glücklichste Mann der Welt!“
[Mister Peter hatte nur einen Traum,] ein Grundbedürfnis das so groß war, dass er es fast nicht sagen wollte… von ganzem Herzen wünschte er sich eine richtige Toilette. Jedoch hatte die Mmabana Foundation nicht genug Geld um den Bau einer Toilette zu finanzieren (ca. 300€). Ein europäisches Paar, das ihren Sohn, ein Freiwilliger im Projekt, besuchte, entschied sich Mister Peters Wunsch zu ermöglichen. Nach vielen Wochen der Bauarbeiten ist die Toilette fertig. Außerdem kann Mister Peter eine Tür hinter sich schließen und hat einen zweiten abgetrennten Raum, in dem er sich waschen kann. Dies ist die unglaubliche Geschichte von Mister Peter, der, wenn man ihn besucht, immer wieder ausruft „Ich bin der glücklichste Mann der Welt! Ich weiß nicht wie ich Euch danken soll! Ich bin so glücklich! So so glücklich!“

Mister Peter’s Waschraum wurde mit einer Feierlichkeit, zu der auch die Nachbarn, Mmabana Mitglieder und Ortsvorsteher kamen, eröffnet. Die Fotos können Sie in der beigefügten Gallerie ansehen.
Leider ist Mister Peter am 25. Oktober, nur wenige Tage nach der Einweihung der neuen Toilette, von uns gegangen. Einen herzlichen Dank richten wir an dieser Stelle an diejenigen, die dazu beigetragen haben, dass Mister Peter seine letzten Tag in wiederhergestellter Würde verbringen konnte. Wir vertrauen darauf, dass er nun in Frieden ruhen mag, erlöst von dem Leid, das er in seinen letzten Jahren erleiden musste.

Was es heißt, ein/e „Mmabana“ zu sein – Ein Interview mit vier Freiwilligen des Mmabana Community Outreach

Von Pierre-Yves Dalka | 2012-10-15 | Choma, Sambia

Megan Duddek: Co-Leiterin beim Reading & Writing Club, Nachbarschaftshilfe und Jugendgruppe, 18 Jahre
Tobias Kilaka: Leiter des Reading & Writing Clubs und der Jugendgruppe, 20 Jahre
Jakob Teichmann: Computerkurse, Co-Leiter im Essensprogramm und in der Jugendgruppe, 19 Jahre
Brighton Yanika: Leiter des Internet Cafés, 22 Jahre

PY: Mmabana basiert auf dem Engagement von Freiwilligen und versucht dadurch eine direkte lokale Mitarbeit zu fördern und das soziale Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Wie kamt ihr vier zum Projekt
M: Jakob und ich sind Anfang August durch die Entsendeorganisation E.L.M.* zum Projekt gekommen. Ich wollte ein freiwilliges soziales Jahr machen. Das E.L.M. unterstützt verschiedene Projekte weltweit. Wir durften Prioritäten vergeben und hatten beide Mmabana auf unserer Liste stehen.
T: Ich hab zuerst durch Poster von Mmabana erfahren. Das war im Oktober 2011. Es ging um neue Computerkurse.
B: Ich hab durch meinen Onkel, Mr. Davies, der das Projekt leitet, von Mmabana erfahren und bin so wie Tobias im Oktober 2011 zu Mmabana gekommen.
PY: Es ist eine Sache von einem Projekt zu hören. Warum habt ihr Euch entschlossen für Mmabana zu arbeiten?
T: Mich hat es interessiert in Gemeinschaft zu arbeiten und anderen durch meine Freiwilligenarbeit zu helfen. Das Programm das mich am meisten interessiert hat war der Reading & Writing Club. Den Kids etwas beizubringen hat mir große Freude bereitet. Ich bin glücklich mit den Kindern zu arbeiten.
B: Ich hab angefangen bei Mmabana zu arbeiten, da das Projekt sehr gute Aktivitäten für Kinder anbietet. Es macht mir Spaß mit Kindern zu spielen. Und die Nachbarschaftshilfe- den Nächsten Gottes Liebe zu zeigen- das macht mir viel Freude. Außerdem bin ich glücklich viele neue Dinge zu lernen.
PY: Beispielsweise?
B: Ich kann durch einen kostenlosen Computerkurs, der für die Freiwilligen angeboten wird, mit Computern arbeiten.
PY: Und jetzt bist du sogar der Leiter des Internet Cafés. Das ist ganz schön beeindruckend! Aber ihr hättet beide auch einfach am Computerkurs teilnehmen können und danach das Projekt verlassen? Warum seid ihr beide noch da?
T: Ich habe das Projekt nicht verlassen, da ich die wunderbare Arbeit sehe, die Mmabana für die Gemeinschaft betreibt. Es hat mich wirklich interessiert und ich hatte das Gefühl, dass ich etwas zur Gemeinschaft beitragen muss. Mir wurde ein kostenloser Computerkurs angeboten – meine Arbeit bei Mmabana sehe ich als Dankeschön für dieses Geschenk.
PY: Was ist mit Dir, Megan? Du hast erzählt, du hast Mmabana von einer Liste interessanter Projekte gewählt. War es eine gute Wahl?
M: Absolut! Was ich an Mmabana liebe ist, dass es sich anfühlt wie eine Familie. Du kommst hierher und es fühlt sich an, als wärst du in deiner Familie. Überall ist so viel Liebe füreinander und jeder möchte miteinander arbeiten. Und ich mag die Arbeit die Mmabana macht. Richtig gut gefallen mir beispielsweise die Kinder beim Reading & Writing Club. Es macht mir viel Spaß Kindern etwas beizubringen. Manchmal ist es schwierig und die meiste Zeit muss ich Hände und Füße dazu benutzen. Aber es funktioniert irgendwie. Die Kinder müssen verstehen, was ich ihnen sage, da sich bei manchen die Leistung stark verbessert hat.
PY: Das klingt sehr gut. Natürlich gibt es auch herausfordernde, schwierige Momente?
J: Ja sicher. Wenn man von Europa nach Sambia kommt gibt es allein schon große kulturelle Herausforderungen. Die Sprache ist sehr verschieden und nicht jeder spricht Englisch. Auch das Wetter macht einem zu schaffen, da es sehr heiß ist. Aber ich habe das Gefühl, dass ich immer jemanden habe, mit dem ich über diese Dinge sprechen kann. Deshalb fühle ich mich trotz mancher Schwierigkeit immer sehr wohl.
PY: Und mit wem sprichst du dann?
J: Eigentlich mit jedem. Die Freiwilligen sind alle sehr freundlich. Man kann immer mit ihnen sprechen oder auch mit Menschen die gar nicht mit dem Projekt verbunden sind.
M: Man kann einfach zu ihnen gehen und fragen: Warum ist das so? und jemand wird es dir erklären. Eine andere Herausforderung für uns Europäer ist das völlig andere Zeitverständnis.
J: Ja…Afrikanische Zeit!
T: Ich denke meine größte Herausforderung war das Verfassen von Budgets und Berichten als Leiter eines Programms. Das habe ich vorher noch nie gemacht, aber mit der Zeit funktioniert es immer besser.
PY: Gibt es besondere Highlights für Euch?
M: Für mich persönlich gibt es nicht das eine Highlight. Jede Woche gibt es neue Highlights: Bei der Nachbarschaftshilfe, wenn wir die Leute zu Hause besuchen, vor allem Mr. Peter ** und seine neue Toilette. Die fröhlichen und lachenden Gesichter zu sehen, obwohl diese Menschen nicht viel besitzen. Den Kindern beim Reading & Writing Club etwas beizubringen und dann die Verbesserungen zu sehen. Die Kinder strahlen zu sehen, wenn sie einen Teller zu essen bekommen oder wenn sie die Hula Hoops entdecken – wow, die Kinder sind so glücklich mit dem wenigen, das sie besitzen! Das berührt mich wirklich.
T: Mein persönliches Highlight ist nach dem Reading & Writing Club die Kinder zu Hause zu besuchen. Zu sehen wie sie wohnen und mit ihren Eltern oder Erziehenden zu sprechen.
M: Ja, das mag ich auch sehr gern.
PY: Mmabana ist Tswana und steht für „Mutter der Kinder“. Könnt ihr dieses Konzept in eurer Arbeit wiederfinden?
J: Eine Mutter gibt ihren Kindern sehr viel Liebe und ich denke Mmabana gibt allen Liebe, den Mitarbeitern und den Menschen die das Projekt berührt.
PY: Habt ihr persönliche Ziele im Leben denen ihr durch Eure Arbeit bei Mmabana näher kommt?
M: Ich bin mir noch nicht sicher was ich in der Zukunft einmal machen möchte. Ich möchte studieren, weiß aber noch nicht genau was, da ich sowohl die Naturwissenschaft als auch Kultur gerne mag. Mmabana bringt mich was mein kulturelles Interesse betrifft weiter, da das Leben als Deutsche in Sambia und die Zusammenarbeit mit Menschen von hier mich so viel von Kultur und Sprache erfahren lässt.
T: Ich möchte Jura studieren und dann in die Politik gehen. Mein Ziel wäre es eine führende Person in Sambia zu sein. Man hat mir bei Mmabana die Verantwortung für zwei Programme übertragen. Hier kann ich meine Führungsqualitäten verbessern. Deshalb denke ich das Mmabana mir sehr hilft. Ich sehe die Arbeit als Anfang meiner Laufbahn als Leiter.
PY: Also ich finde es wunderbar dass ihr alle hier seid. Ihr leistet einen großartigen Beitrag zur Gemeinschaft und ich bin gespannt zu sehen, was sich aus Euerem Engagement entwickeln wird. Vielen Dank für das Interview und bis bald!

* ELM steht für das Evangelisch-Lutherische Missionswerk in Niedersachsen, das über das „Seitenwechsel“ Freiwilligenprogramm jährlich zwei Freiwillige nach Sambia entsendet.
** Um mehr über Mister Peter und seine neue Toilette zu erfahren, lesen Sie bitte den nächsten Beitrag.

Die Arbeit ruft…

Liebe Freunde und Förderer,

Über ein Monat ist nun schon vergangen seitdem wir in Zambia angekommen sind. In einer solchen Zeit lernt man viel über den Ort, in den man lebt, die Menschen, die einen umgeben und über all die anderen kleinen Dinge, die einfach existieren die aber trotzdem neu und aufregend sein können.

Wir möchten euch diesmal vor allem von unsere neuen Aufgaben berichten. Wir werden Mmabana in verschiedenen Bereichen als Freiwillige unterstützen und möchten Euch einen Einblick geben in unsere Arbeit.

Kommen wir zuerst zu Megans Aufgaben:

„Ich werde mich ab jetzt als Co-Leader im Reading & Writing Club, im Kids Club und im Community Outreach Project einbringen.

Kinder zwischen 9 und 12, die zur Zeit nicht zur regulären Schule gehen können, kommen zwei mal wöchentlich zum Reading & Writing Club in unser Shampande-Center, um dort die Basics in Mathe und Englisch zu lernen. Die Gruppe von rund 28 Kindern wird während des Unterrichts je nach Können und Wissensstand in 4 kleinere Lerngruppen unterteilt, damit eine leistungsgerechte Förderung der einzelnen Kinder gewährleisten werden kann. Ziel des Reading & Writing Programms ist es letztendlich die Schüler in eine „normale“ Schule wieder einzubinden und ihnen einen weiteren schulischen Werdegang zu ermöglichen. Hierbei kann dann auch Mmabanas Educational Support Programm eingesetzt werden. Ich werde als Co-Leader für die Organisation des Unterrichts, sowie die Aufgabenverteilung beim Vorbereiten des Essens, das die Kinder zur Konzentrationsförderung bekommen, mit verantwortlich sein und als Lehrerin für Englisch und Mathe in der ältesten Gruppe helfen. Bei den jüngeren Schülern stoße ich oft auf eine Sprachbarriere, da mein Nyanja bzw. Tonga leider noch viel zu schlecht ist. Ich verstehe aber immerhin schon einige Wörter 😀 Zurzeit beantworten wir Briefe von einer deutschen Schule. Die Kinder sind begeistert bei der Arbeit, denn deutsche Brieffreunde hat man auch nicht alle Tage.

Kids Club findet jeden Sonntag statt und eigentlich ist es für Kinder zwischen 6 und 14 mit sozial benachteiligtem Hintergrund gedacht, um sie bestmöglich zu beschäftigen und von der Straße fern zu halten. Im Moment haben wir jedes Mal rund 140 Kinder (es können aber auch bis zu 300 werden, wenn es hoch kommt) aus den Compounds, die an den verschiedenen Aktivitäten, wie Diabolo, Fußball, Netball, Volleyball, Holla Hoop, Seilspringen, Modeln, Singen, Malen etc. teilnehmen. Viele Kinder kommen mit ihren ganz kleinen Geschwistern zum Programm, da sie sich um sie kümmern müssen. Für alle die, die nicht wissen, was ein Compound ist: Compounds sind so etwas wie Slums, Townships, Favelas… Hier wohnen die ärmeren Familien. Nicht alle Compounds sind gleich. Shampande (der Compound in dem wir leben) würde ich sagen, zählt zu einem der wohlhabenderen „Armen“vierteln. Allerdings findet man hier in Choma auch Personen oder Familien in den Compounds, den es an elementaren Dingen mangelt. Uns wurde erzählt, dass es in der Regenzeit keine Seltenheit ist, dass einige „Häuser“ aufgrund der mangelnhaften Bauweise zusammenbrechen. Wenn wir erzählen, dass wir als Weiße in einem der Compounds wohnen, werden wir meist nur verdutzt angeschaut. Viele können sich einfach nicht vorstellen, dass wir „Reichen“ in einer dieser Gegenden wohnen. Ich genieße das Leben trotz unserer Wasser- und Stromschwierigkeiten hier jedoch sehr, denn es ist immer schön die Kinder hier munter spielen zu sehen. Auch wenn es manchmal sehr viele sind und sie alle gleichzeitig irgendetwas von dir wollen. Ein Muzungu ist irgendwie doch immer eine Attraktion.

Diese Mmabana Aktivität, wie auch alle anderen, stehen unter dem Motto: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“ und „Gottes Liebe durch Taten der Liebe an die Bedürftige weiterzugeben“. (Oder um im Englischen zu bleiben: Sharing the love of God to the needy through acts of love.)

Das Outreach Project befasst sich mit Bedürftigen, überwiegend älteren Menschen in den Compounds wie z.B. Mwapona und Zambia Compound. Jeden Mittwoch besuchen wir mit einer kleinen Gruppe ca. 2 von unseren zurzeit 8 Klienten. Im Mittelpunkt steht das Wort Gottes bzw. Gottes Liebe, die uns zu diesen Menschen schickt. Es wird viel gesungen, gebetet und wenn etwas im Haus oder auf dem Grundstück gemacht werden kann, wird dies erledigt. Häufige Aufgaben sind z.B. Fegen, Wasser holen oder der Abwasch. Ebenfalls haben wir immer ein offenes Ohr für die Probleme oder Beschwerden der Bedürftigen. Für mich ist das manchmal sehr schwer, da ich auf die Übersetzung durch die anderen Freiwilligen angewiesen bin, da ich noch weniger Tonga verstehe als Nyanja. Ich hoffe, dass sich das bald ändern wird. Für jeden Freitag ist ab nun nämlich Tonga-Unterricht angesetzt. Nyanja lass ich mir von meinen Schwestern hier nebenbei immer mal wieder beibringen. Die Grammatik scheint im Moment noch nicht so schwer zu sein. Tonga hingegen ist schwerer. Ich scheitere schon an der Aussprache von dem Wort Haus in Tonga 😀 Für jeden Klienten haben wir nach jedem Besuch noch ein paar Mitbringsel, wie MillyMeal zum Nshimakochen, Salz, Kohle,  Seife, Shampoo, Vaseline etc.. Diese Sachen hängen allerdings auch davon ab, wen wir besuchen. Jeder ist auf seine Art bedürftig.

Ich muss hier noch mal eben erwähnen, dass ich mittlerweile auch fähig bin Nshima zu kochen! Und man mag gar nicht glauben, wie anstrengend das ist. Nshima ist übrigens das Hauptnahrungsmittel in Zambia und wird aus weißem Maismehl gekocht. Vielleicht kennt jemand Papp aus Südafrika – das ist vergleichbar. Für alle anderen:  Es ist eine weiße Masse, die man sehr gut mit den Händen formen kann und die natürlich auch mit den Händen gegessen wird. An sich schmeckt Nshima nicht nach sehr viel, aber man isst es eigentlich auch nie alleine. Wir wurden hier auch mit Postern „Megan & Jakob wilkommen in Nshima-Land“ begrüßt. Von Nshima wird man bekanntlich aber nicht sehr groß, sonder eher dick. So viel dazu..“

 Jakobs Aufgaben werden Folgende:

„Ich werde mich von nun an neben einer Lehrerrolle in einem der Computerkursen als Co-Leader im Youth Club und Food Processing betätigen.

Der Youth Club findet jeden Freitagnachmittag statt. Hier kommen die lokalen Freiwilligen, die größtenteils auch Computerkursschüler sind, aber auch gerne mal andere Gäste für ca. 2 Stunden zusammen und besprechen ein bestimmtes Thema, wie Drogenmissbrauch. Oft kommen auch externe Redner, die dann wie zum Beispiel letzten Freitag eine lehrreiche, aber auch lustige Stunde über HIV und Sexualität gestalten, um die Jugendlichen für das alltägliche Leben zu schulen. Andere Themen, wie Leadership oder Group Dynamics wurden auch schon durchgenommen. Dies soll die Jugendlichen auf ihre Tätigkeiten in anderen Aktivitäten vorbereiten bzw. sie darin weiterbilden und ihnen hierdurch auch bessere Chancen in ihrem späteren Arbeitsleben ermöglichen. Wenn es keine Vorträge gibt, werden Youth Clubs auch mal auf dem Sportplatz oder gemütlich bei einem Film verbracht. Durch die wöchentlichen Treffs sollen die Jugendlichen lernen angemessen miteinander umzugehen und ebenso soll ihr Selbstbewusstsein gestärkt werden.

Food Processing ist ein sogenanntes Youth Empowerment Program. Unter Anleitung eines UN-Volontärs haben die Jugendlichen begonnen, saisonale Früchte aus den Compounds zu kaufen und sie zu Marmelade zu verarbeiten. Es begann mit Guaven-Marmelade und zurzeit steht Papaya-Marmelade auf dem Programm. Wenn die richtige Jahreszeit kommt, wird es vermutlich auch Mangos oder Orangen auf den liebevoll designten Labels geben. Die produzierten Gläser werden von den Jugendlichen anschließend verkauft. Der Gewinn geht zunächst zurück in das Projekt um weitere Zutaten, wie neue Früchte oder Zucker, zu kaufen. Letztendlich soll es allerdings eine weitere Einkommensquelle für Mmabana werden, um andere Projekte zu unterstützen. Eine Besonderheit in unserem Marmeladenverkauf ist das Pfandsystem, das vor allem von Jonny eingeführt wurde und in Zambia an sich nicht üblich ist. Jeder Kunde, der uns das Glas mit Deckel zurückbringt, kriegt einen Teil des bezahlten Geldes zurück. Dadurch können wir die Gläser wiederbenutzen und sparen uns die Kosten für neue Gläser und ebenso halten wir das durchaus müllüberladene Zambia ein Stück weit sauberer.

Müll ist ein großes Problem in diesem Land. Ich weiß nicht genau wie das in den großen Städten geregelt ist, aber bei uns und auf dem „Land“ gibt es keine Müllabfuhr oder zentrale Müllentsorgung. Hier ist jeder sein eigener Herr über den Müll. Wenn man die Straßen und Wege entlang läuft, sieht man vieles einfach nur rumliegen. Müllentsorgung ist hier gleich Müllverbrennung im Garten. Wir haben auch einen Müllverbrennungsplatz im Garten. Als wir neu hier angekommen sind, war das erstmal ein kleiner Schock für uns. Mittlerweile zählt die wöchentliche Müllverbrennung allerdings zur Routine – Umweltschutz/Filteranlagen fehl am Platz.

Meine Aufgabe im Food Processing besteht vor allem in der Beratung der Jugendlichen bei ihren Verkaufsunternehmen und in der Verwaltung der Finanzen.

Neue Freiwillige wirbt Mmabana vor allem durch den kostenlosen Computerkurs im Shah-Center an. Als Gegenleistung für den 4-monatigen Kurs wird nur eine 6-moatige Verpflichtung der Schüler als Freiwillige in Mmabana-Aktivitäten erwartet. Hierdurch werden immer wieder neue junge Leute in Mmabana involviert, die dann eventuell auch über ihre eigentliche Freiwilligenzeit hinaus der Organisation erhalten bleiben und verantwortliche Positionen als Leader oder Co-Leader übernehmen können. Da die alten Lehrer aus verschiedenen Gründen nicht mehr für Mmabana arbeiten können, hat eine andere Mitarbeiterin die Kurse neu übernommen. Es gibt 3 Kurse, von denen ich vorerst einen unterrichten werde. Die Unterrichtsstunden vermitteln vor allem grundlegende Computerkenntnisse und die Benutzung der Programme Word, PowerPoint und zum Teil Excel.

Aber genug von der Arbeit. Wir hatten natürlich auch noch Freizeit. Wir verbrachten eine Nacht am Lake Kariba auf dem Geburtstag eines Bekannten. Dann hatten wir Anfang September Besuch von zwei Niederländern, die Monique und Nosiku kennen und gerade eine Reise durchs südliche Afrika machen. Sie blieben zwei Tage und wir konnten ihnen Choma und vor allem das sehr gute Choma Museum zeigen, gemeinsam ein Hühnchen schlachten bei dem sie diesmal die Füße essen „durften“ und überhaupt eine schöne  Zeit miteinander verbringen. Zwischendurch hab ich auch noch die Zeit gefunden 19 zu werden und mich angemessen feiern zu lassen. Zuerst gab es einen Kuchen, den ich zusammen mit den Leadern und Verantwortlichen genossen habe und dann noch ein Abendessen im Kreis der Familie. Sambianische Geburtstagsrituale sind schon eine komische Sache. Eigentlich wird man an seinem Geburtstag mit Wasser überschüttet, wovon ich aber verschont blieb. Bevor man den Kuchen verteilen darf, wird man zuerst mit einem Stück gefüttert und man muss dann die Person, die einen gefüttert hat, auch füttern. Und dann dürfen natürlich Musik und Tanzen nicht fehlen.“

Wir hoffen ihr konnten unseren Ausführungen soweit folgen und wir sind nicht zu sehr abgeschweift. Zu dem Leben hier werden wir vermutlich in den folgenden Blogs noch einiges mehr schreiben.

Um diesmal Nyanja zu verwenden: Zikomo fürs Lesen 😀

Jakob & Megan

Endlich in Zambia!

Hallo liebe Freunde und Förderer von Mmabana,

Louis und Miriam sind wie angekündigt zurück in Deutschland und wurden ersetzt durch uns, Megan und Jakob. Wir sind beide 18 Jahre alt und haben in den letzten Monaten unser Abitur bestanden, um uns dann mit voller Energie und Aufmerksamkeit auf unseren Freiwilligeneinsatz hier in Sambia vorzubereiten. (hierbei nochmal ein herzliches Dankeschön an Daniela, Niels und Thomas)

Nach einem 2-wöchigen Vorbereitungsseminar im beschaulichen Hermannsburg hatten wir noch eine Woche Zeit bevor am 31.Juli unser Flieger Richtung Sambia und Mmabana abhob. Wir verabschiedeten uns in Hamburg von Freunden und Familie und starteten unsere Reise zuerst nach Dubai, um von dort aus dann weiter nach Lusaka zu fliegen. In Dubai konnten wir bewundern wie kontrastreich die Welt doch ist. Dort erlebten wir bereits einen ersten „Schock“ auf unserer Reise: Es sollte eine Außentemperatur von 38°C um 5 Uhr morgens herrschen.

 Am frühen Nachmittag erreichten wir dann am 1. August Lusaka, wo wir erneut von der Außentemperatur überrascht wurden. Denn im „winterlichen“ Lusaka war es wärmer als im „sommerlichen“ Hamburg. Gerade erst auf sambianischem Boden angekommen, lernten wir sogleich eine wichtige Lektion für das Leben hier: Warten 😀 Vor den Einreiseschaltern standen wir Schlage, selbst in der für die Einheimischen, in die wir dann eingewiesen wurden. Als wir dann unser abgestempeltes Visum in den Händen hielten und wir den Flughafen verlassen konnten, wurden wir bereits von Lulu und ihrer Cousine erwartet. Die beiden fuhren mit uns zu „Arcades“, einem großen Einkaufszentrum in der Stadt, wo wir erstmal Geld wechseln mussten. Und plötzlich hatten wir ziemlich große Zahlen auf unseren Scheinen stehen: 20.000 oder 50.000 Kwacha. Hört sich sehr viel an, ist es an sich aber gar nicht.

Die Nacht verbrachten wir geruhsam bei Lulu und Bernd, unseren Mentoren. Und am nächsten Morgen ging es dann mit dem Bus auf nach Choma. Hier wurden wir erneut auf eine Seite unseren Heimatlandes für das nächste Jahr aufmerksam gemacht: Sambia ist ein sehr christlich geprägtes Land. Die Busfahrt begann mit einer kleinen Andacht und einem Reisesegen. Nach 4 Stunden erreichten wir Choma, wo wir von Miriam und Louis mit dem Taxi abgeholt wurden. Nach einer kurzen Fahrt, waren wir endlich „zu Hause“. Und wurden dort auch gleich vom „Wachhund“ Mubyabi, der größer und größer wird in Empfang genommen.

Unser erster Tag war gleichzeitig der Letzte für Louis und Miriam. So hatte das Festessen abends gleich 2 Gründe. Es gab Hühnchen, die am Nachmittag noch von Megan und Miriam geschlachtet und ausgenommen wurden, Gemüse und Nshima. Nshima ist das Nationalgericht Sambias und ist ein Brei aus weißem Maismehl, den man mit der Hand sehr gut essen kann. Im Anschluss gab es noch eine schöne Abschieds- und Willkommenszeremonie. Natürlich trafen wir hierbei auch die meisten wichtigen Menschen für unser nächstes Jahr. Wir werden probieren zumindest die Wichtigsten mal zu erwähnen. Da ist natürlich Jonny unser Mitbewohner für den ersten Monat und von Oktober bis Dezember, der uns bisher sehr schön herumgeführt hat und versucht uns unser Einleben so gut es geht zu vereinfachen. Auch Nosiku war da, unsere zukünftige Chefin, die mit ihren Kindern Blessing und Natalia gekommen war.

Am nächsten Morgen fuhren Louis und Miriam nach Livingstone, um von dort nach Johannesburg in Südafrika zu fliegen, wo sie noch eine Woche bei Monique blieben. Wir hingegen lernten unser neues Zuhause kennen und stellten auch schnell eine bereits angekündigte Besonderheit fest. Es gibt nur 3 Mal am Tag Wasser, nämlich morgens von 6 bis 9, mittags von 12 bis 14 und abends von 18 bis 20 Uhr. Aber wenn man sich auf solche Besonderheiten, worunter definitiv auch eventuelle Stromausfälle zählen, einstellt, haben wir hier ein sehr angenehmes Leben im Shampande Compound.

Das Kennenlernen einer neuen Kultur ist zum einen eine sehr verrückte Angelegenheit, doch auch auf jeden Fall eine sehr erlebenswerte und lohnenswerte Erfahrung. Soweit wir es jetzt schon beurteilen können, sind die Sambianer ein freundliches Volk mit einem essentiellen „how are you?“. In diesem Rahmen sitzen auch schon die ersten Wörter in einheimischen Sprachen wie Tonga oder Njanya.

Nach und nach wurden uns die verschiedenen Aktivitäten und Projekte von Mmabana vorgestellt.  Hierunter zum Beispiel haben wir in unserer ersten Woche bereits am Youth Club oder dem Kids Club teilgenommen. Viele Kinder treffen wir auch immer wieder rund um unser Haus, da die Nachbarschaft doch eine sehr Kinderreiche ist. Die Projekte werden wir jedoch in weiteren Blogs näher vorstellen, wenn wir öfter dort gewesen sind und mehr berichten können als einen oberflächlichen Eindruck eines gerade angekommen Deutschen in Sambia.

 Bei dem ersten Meeting des „Management Boards“, dem alle Vollzeitvolontäre angehören, bekamen wir sehr schöne Tonga-Namen. Tonga ist eine der Hauptsprachen, die hier in Southern Province gesprochen werden. Jakob bekam die Bezeichnung Chipego oder auch kurz Chipo (Tonga für Geschenk) und Megan Luyando (Tonga für Liebe).

Letztes Wochenende verhielten wir uns mal ausnahmsweise wie „richtige“ Touristen und fuhren nach Livingstone, der Stadt der Victoriafälle. Nach einem schönen Abend mit einem guten Essen in einem italienischen Restaurant (sehr zu empfehlen das „Olga’s“, denn beim Essen unterstützt man sogleich ein Jugendprojekt in Livingstone) ging es am nächsten Tag zu den Victoriafällen. Um die Fälle zu beschreiben fehlen uns die Worte.. vor allem ein Sonnenuntergang oberhalb der Fälle ist unbeschreiblich schön, auch wenn man dabei gelegentlich etwas nass wird. Wir bitten hier bitte um Nachsicht und hoffen, dass ein/zwei Bilder dies entschädigen können.

Wir hoffen wir konnten euch einen ersten Einblick in unser Leben hier geben und werden in den nächsten Blogs noch mehr über unsere Aktivitäten und Arbeit berichten.

In diesem Sinne liebe Grüße aus Sambia, dem Land wo man im Winter aufpassen muss, nicht zu braun zu werden.

Twalumba maningi für’s Lesen!


Megan und Jakob

Abschiedsblog

Ein letztes mal Hallo an die Leser dieses ausgesprochen guten Blogs 😉

 

Inzwischen rast die Zeit nur noch so dahin und man fragt sich wo die Tage eigentlich geblieben sind. Vom Gefühl her würde ich sagen ich bin gerade mal 4 oder 5 Monate hier. Die Wahrheit ist jedoch, dass wir nur noch 2 Tage haben, bis unser Flug nach Johannesburg geht.

Wir sind mitten in der Zeit des „Sachen zum letzten Mal machens“ und es ist manchmal schon sehr traurig, wenn man sich von Outreachklienten, anderen Freiwilligen aus Amerika und Deutschland, sowie Familie und Freunden hier verabschieden muss.

 

Als Jonny aus Südafrika wiederkam brachte er Monique und Susanna mit. Beide kennen wir aus Südafrika und haben uns über die Besuche gefreut, auch wenn durch die Begegnungen die Zeit noch schneller zu verfliegen schien. Zusammen mit Monique und Susanna sind wir an einem Montag zum Flughafen in Livingstone gefahren und haben sie und Susanna dort verabschiedet. Nur wenige Minuten später landete der Flieger in dem Louis Eltern saßen, die ihren Sohn nach fast einem Jahr wieder in die Arme schließen konnten.

Gemeinsam haben wir uns auf den langen Weg in die Eastern Province gemacht um dort in einem Nationalpark noch mal ein wenig Urlaub zu machen. Von Choma aus bis zu unserem Camp sind es 1000 km, die wir auf 2 Tage aufgeteilt hinter uns gelegt haben. Wenn ich mich nicht irre, dann ist das ungefähr so weit, wie von meinem Ort in Deutschland bis nach Kroatien in den Urlaub. Manchmal ist es unglaublich wie groß dieses Land ist!

Auf der Hinfahrt sind wir direkt in den Park gefahren, anstatt erst mal unsere Sachen am Camp abzuladen und da wir auch an diesem Tag schon einige Kilometer hinter uns gebracht hatten war es noch recht früh (ca. 11:30 Uhr) als wir in den Park fuhren. Wider aller Erwartungen sahen wir erstaunlich viele Tiere inklusive eines Leoparden, der in der prallen Mittagssonne durch die Savanne streifte und einer Elefantenfamilie, die ca. 20 cm vor unserem Auto die Straße überquerte.

Am nächsten morgen fuhren wir früh in den Park und genossen unser Frühstück inmitten einer Menge Antilopen und Zebras. Am frühen Abend ging es dann mit dem Campeigenen Safari-Auto auf einen Nightdrive. Wir sahen einen zweiten Leoparden, Löwen und Hyänen, neben kleineren Wildkatzen und dem ein oder anderen Elefant.

Den nächsten Tag ging es dann via Walkingsafari zu unserem Bushcamp. Wir stießen auf Giraffen und Elefanten, bekamen ein 3-Gänge Menü und eine ganz neue Erfahrung durch bewaffnete Begleitung bei jedem Toilettengang. Am nächsten Morgen ging es dann in aller Frühe mit einem Bushwalk wieder zurück zum Hauptcamp.

Auf dem Rückweg besuchten wir unsere Mentoren in Lusaka und streiften dort gemeinsam durch die Innenstadt auf der Suche nach den passenden Stoffen für Hemd, Hose und Kleid, die wir dann in Choma zum Schneider brachten.

Insgesamt war ein wunderbarer Urlaub und wir hatten eine Menge Spaß zusammen. Leider machte uns die Kupplung des gemieteten Toyota Hilux etwas zu schaffen und das Autofahren war mitunter etwas anstrengend.

 

Vorige Woche fuhren wir alle zusammen zu unseren Freunden auf die Rossfarm, machten dort einen kleinen Gamedrive, fütterten das zahme Dayka (kleinste Antilopenart; wurde von Rosses mit der Hand aufgezogen) mit Apfel und Orange und genossen ein gemeinsames Abendessen.

Leider wird dieser Besuch auch der letzte bei Ihnen gewesen sein und wir werden sie sehr vermissen. Da diese Familie uns quasi adoptiert hatte und es immer ein bisschen wie nach Hause kommen war, wenn wir zu ihnen gefahren sind.

Mittlerweile hatten wir auch die Abschiedsparty von und für die Jugendlichen. Es waren schöne Zusammenkünfte, aber trotz allem auch durch die eine oder andere Träne gekennzeichnet.

Louis und ich befinden uns nun schon mitten in der letzten Woche dieses Auslandsjahres in Sambia und wir können stolz auf die geleistete Arbeit zurückblicken und uns gegenseitig auf die Schulter klopfen! Leider ist uns durch den anderen Blickwinkel, der durch Familie Hesse in das Projekt kam, auch einiges aufgefallen, was uns dieses Jahr sehr erschwert hat und in Auswertungsgesprächen aufgegriffen wurde.

Mit allem was wir jetzt noch zur Ansprache gebracht haben, können wir nur hoffen das es für die Kommenden Volontäre Megan und Jakob besser wird!

 

Wir verbringen die letzten Stunden damit unsere Sachen zu packen, Abschiedsgeschenke abzuliefern, die Zimmer zu säubern und geliebten Personen einen Besuch abzustatten.

Am Freitag fliegen wir dann schon nach Johannesburg und in gänziger Bälde wird man sich in „good-old-Germany“ wieder die Hand schütteln, oder wer ganz mutig ist, auch in den Arm nehmen!

 

Mit allerletzten Grüßen aus Sambia, Miriam alias Choolwe 🙂

Ein Haus, zwei Voluntäre, ein Hund und nicht mehr viel Zeit

Liebe Leser des Friends at Mmabana Blogs,

ich muss mich schon wieder mal dafür entschuldigen das mein Blogeintrag so spät kommt. Es ist viel passiert, es gab viel zu tun und irgendwie bin ich unzuverlässiger Junge mal wieder darüber hinweggekommen mich hinzusetzen und einen schönen Eintrag zu schreiben, entschuldigt vielmals.

 

Naja, kommen wir aber mal zur Sache. Es ist nun 5 Wochen her, seitdem Miriam zuletzt geschrieben hat und es gibt vieles Neues zu berichten. Fangen wir bei den Aktivitäten an. Der Reading und Writing Club ist vor ein paar Wochen gestartet. Jeden Dienstag und Donnerstag kommt nun eine Gruppe von ca. 30 Kindern her um an einem der beiden Tage Lesen und Schreiben und an dem anderen Tag Zählen und Rechnen zu lernen. Die Kinder, die wir mit diesem Programm unterrichten sind momentan nicht in der Schule, was entweder auf schlechte schulische Leistungen (einen frühen Drop out aus der Schule) oder finanzielle Nöte der Eltern zurückzuführen ist. Sie kommen nun zweimal die Woche hier her, frühstücken mit uns und werden anschließend von den Freiwilligen unterrichtet. Sie sitzen dabei hier bei uns im Haus in einem Raum auf Grassmatten auf dem Boden und werden in Kleingruppen die an ihren Lernfortschritt angepasst sind, unterrichtet. Auf jeden Voluntär kommen somit 5-6 Kinder, was für afrikanische Verhältnisse ein großer Luxus ist, auch wenn die Voluntäre natürlich nicht extra für das Unterrichten ausgebildet wurden. Nach jeder Aktivität setzen sich die Freiwilligen zusammen und erstellen für die nächste Aktivität einen Lehrplan für ihre Gruppe, ergo sind die Aufgaben und der Lehrstoff immer genau auf das Wissen der Kinder  abgestimmt. Bis jetzt lief der Reading und Writing Club sehr gut und die Schüler machen gute Fortschritte. 

 

Auch die anderen Programme von Mmabana laufen zur Zeit sehr gut, was vor allem auf die gute Mitarbeit der Freiwilligen zurückzuführen ist. Beim Kids Club gibt es nun Leiter für die unterschiedlichen Aktivitäten und an jedem Sonntag wird etwas neues gemacht, sodass der Kids Club stets attraktiv bleibt. Beim Fußball gibt es somit manchmal Training, manchmal spielen die Kinder in kleinen Mannschaften Turniere gegeneinander, welche am Ende in spannenden Elfmeterschießen enden, es verändert sich von Aktivität zu Aktivität. Am Ende vom Kids Club, wenn die Kinder nochmal zusammenkommen, führen nun jedes mal ein oder zwei der Aktivitäten etwas vor, damit jeder der Teilnehmer sehen kann, was die anderen so machen. Diese Vorführungen werden sehr gemocht und es oft wird viel geklatscht und sich gefreut.

 

Das Outreach Programm ist im Moment so gut, wie es seitdem ich im letzten August angekommen bin, noch nie war. Die Freiwilligen sind alle mit vollem Herzen dabei, es wird gesungen, gearbeitet, geredet und gebetet, jeder tut mal etwas und bringt sich ein und unsere Outreachklienten sind jedes mal sehr dankbar und froh über unseren Besuch. Aktuell haben wir neun Klienten von denen jeden Mittwochmorgen zwei besucht werden. Am ersten Mittwoch des Monats werden drei Klienten besucht die in einem Stadtviertel Chomas wohnen, welches von dem Mmabanacenter etwas weiter entfernt liegt. Da es im Moment in Sambia über nacht immer kälter wird, haben wir nun einigen der Klienten Decken und Jacken mitgebracht, welche jeweils dankbar entgegengenommen wurden. Ich muss sagen, dass mir das Outreachprogramm im Moment am meisten Spaß macht und es mir auch am meisten am Herzen liegt.

 

Als Miriam anfang Mai den letzten Blog hier gepostet hat, hatte ich gerade damit angefangen gehabt, einen der Computerkurse selbst zu leiten. Ich gebe nun dreimal die Woche nachmittags von 14-16 Uhr Computerkurse in unserem neuen Haus im Shahcompound. Es ist eigentlich die erste Möglichkeit, dass ich meine langjährige Erfahrung im Umgang mit dem Computer mal sinnvoll einsetzen kann, was mir wiederum viel Freude bereitet. Meine Schüler kommen mit mir als Lehrer auch ganz gut klar und haben im letzten Examen alle, auch wenn manche nur knapp, bestanden. Ich werde bis Ende Juni den aktuellen Intermediatekurs, welcher sich ausschließlich mit dem Umgang mit Microsoft Word befasst, lehren und danach wird mein Kurs dann von einem anderen Freiwilligen übernommen, wenn es um Microsoft Powerpoint und Microsoft Excel geht.

 

Vom 6.-9. Juli wird das nächste Youthcamp stattfinden, dieses Mal an einem neuen Ort Ich bin schon sehr gespannt, wie es verlaufen wird und wie die Jugendlichen die Schule, in der das Camp stattfinden wird, finden werden. Direkt nach dem Youthcamp, am 9. Juli, werden meine Eltern zu Besuch kommen und gleich am Tag darauf werden Miriam, meine Eltern und ich in einen Nationalpark im Osten Sambias fahren, um dort den letzten Urlaub unseres Auslandsjahres zu erleben. 

 

Auch im letzten Monat hatten wir ein paar Tage Urlaub, zum einen waren wir in Lusaka bei unseren Mentoren und haben dort für ein Wochenende im Luxus gelebt. Der Luxus für uns beide war, dass es den ganzen Tag lang fließend Wasser, Brot, Wurst und Käse zum Frühstück, Pizza und eine riesige Shoppingmall gab, in der wir beide an einem Tag ordentlich einkaufen gegangen sind. Ein paar Wochenenden danach waren Miriam und ich zusammen mit einem anderen Freiwilligen des ELM der sein Auslandsjahr in Südafrika verbringt, in einem Nationalpark im Westen Sambias. Der Park ist ungefähr so groß wie Wales und wir haben nur einen Bruchteil gesehen, der jedoch wunderschön war. Das Camp in dem wir übernachteten lag direkt an einem Fluss in dem den ganzen Tag lang Hippos grunzten und nachts auch gerne mal auf unserer Seite des Ufers zum Fressen rumliefen. Zur Toilette haben wir uns in der Dunkelheit nicht getraut.

 

Das Jahr geht langsam dem Ende zu, vorgestern haben wir schon mit Nosiku geklärt wie unser Farewell aussehen soll, bevor wir fahren. Es ist ein sehr komisches Gefühl zu merken, dass das Jahr nun doch so schnell vorbei gegangen ist und das die Zeit die uns noch bleibt noch viel schneller verstreicht. Die letzten Wochen hier sind wie im Flug vergangen, wir haben viel gearbeitet, meist von morgens um 8 oder 9  bis nachmittags um 16 oder 17 Uhr und unser Leben genossen.

 

Seit Dienstag dieser Woche ist Jonny in Südafrika, um dort etwas mit dem Auto zu klären, somit ist hier im Shampandehaus zwischenzeitlich etwas Ruhe eingekehrt. Diese ist am Mittwoch gleich wieder verflogen, da in einer Nacht letzter Woche ein Mensch versucht hat unser Auto zu klauen wurde entschieden, dass wir uns einen Hund anschaffen. Er heißt Mubyabi Mujayi, was Tonga ist und gefährlicher Killer heißt, denn wir wollen die Diebe ja ordentlich abschrecken, ist sechs Wochen alt und ein abenteuerlustiges Bürschchen. Gestern waren wir beim Tierarzt wo ihm eine Spritze gegen Tollwut und eine Tablette gegen Würmer, sowie Zecken und Floh Puder verabreicht wurde und nun steht seiner Zeit als Wachhund bei Mmabana nichts mehr im Wege. Er muss halt nur noch etwas größer werden, denn im Moment ist er noch ein nicht wirklich angsteinflößender, tollpatschiger Hundewelpe, der am liebsten mit jedem knuddeln will.

 

So weit so gut,

Miriam schreibt bald wieder,

Mubyabi braucht Mut,

im Moment sind wir im Fußballfieber,

denn er soll schließlich ein Wachhund werden,

die EM ist in vollem Gange,

und so manchem Dieb den Raub verderben,

bei seinem Anblick schon wird einem Angst und Bange… zumindest bald… hoffentlich 🙂

 

Gegrüßet seiet Ihr alle, Euer Louis

Kälte, Trauer und doch auch etwas erfreuliches

Liebe Leser und Leserinnen,

 

seit dem letzten Blogeintrag von Mutinta ist hier so manches losgewesen, was sich erzählen lässt.

 

Als der letzte Blogeintrag kam waren wir gerade aus dem Urlaub wiedergekommen, waren erholt, glücklich und neu motiviert. Erst einmal liefen die Aktivitäten weiter wie sonst auch. Wir hatten innerhalb des Managements einige Meetings, die zum einen dafür sorgten, dass wir nun einen neuen Manager haben, zum anderen aber auch einen neuen Arbeitsplan und neue Aufgaben.

 

Die Neuerungen bestehen darin, dass einige Aktivitäten auf andere Tage verlegt wurden und neue Arbeitsbereiche dazu kamen. Outreach wird ab jetzt nicht mehr freitags stattfinden, sondern mittwochs. Das macht es für uns und die Jugendlichen einfacher, die sonst den ganzen Freitag im Einsatz wären. Mein Reading & Writing Club wird ab Mitte Mai nun immer 2 mal die Woche am Dienstag und Donnerstag stattfinden und mit insgesamt 60 Kindern starten. Dafür muss noch einiges vorbereitet werden, aber ich freue mich schon darauf endlich wieder loszulegen. Mittwochs nach dem Outreach werden wir dann unseren Garten etwas auf Vordermann bringen. Was früher Louis Hobby war ist jetzt Arbeit für uns alle! Seitdem wir damit angefangen haben, sind wir auch schon richtig erfolgreich gewesen: Wassermelonen, Tomaten, Kürbisse, Salat, Zucchini und Karotten sind schon angepflanzt und werden mit viel Liebe gewässert und umsorgt. Es sollen noch weite Gemüsesorten folgen, unter anderem Zwiebeln.

Wäre richtig schön, wenn das alles wächst und gedeiht und man in ein paar Wochen von den eigenen Früchten profitieren kann!

 

Seit einer Woche haben wir eine weitere Freiwillige aus Livingstone dazu bekommen, die bis Juni hier ebenfalls mitarbeitet und noch durch einen jungen Mann aus England ergänzt werden soll, der zum Abflugdatum einige Probleme mit seinem Reisepass hatte und deshalb erst später hier eintreffen wird. Wir warten gespannt!

 

Erst gestern sind wir aus Siamaluba, aus der „rural Area“ ,wiedergekommen, wo wir für 4 Tage ein Youthcamp hatten. Mal wieder ohne Strom und fließend Wasser, auf offenem Feuer kochen und abends mit Kerzenlicht essen. Wir hatten entgegen unserer Erwartung und unserer Planung über 50 Jugendliche dabei, die sowohl unterhalten, als auch satt werden wollten, was uns vor eine Herausforderung stellte. Am Sonntag gab es als Festessen Hühnchenfleisch. Dafür kauften wir 5 Hühner vom Schulleiter, die dann erst mal noch fröhlich herumgelaufen sind. Ich durfte dann eines davon umbringen, sprich den Hals durchschneiden und mit meinen anderen Küchenhelfern die Federn rupfen und das Tier in essbare Teile zerlegen…

Ich muss sagen, ich hätte es mir wesentlich schlimmer vorgestellt! Als das Huhn in meinen Händen dann noch gezuckt hat, habe ich festgestellt, dass mich das Leben hier schon ganz schön abgehärtet hat.

Allerdings nicht gegen die Kälte, denn obwohl wir in Klassenräumen geschlafen haben, wurde es Nachts eisig kalt. Trotz dickem Pullover, warmen Socken und Schlafsack war man froh, dass die Nacht vorbei ist und die Sonne einen wieder aufwärmen würde.

 

Direkt nach Rückkehr vom Camp stand das nächste große Ereignis bevor, der Tag der Arbeit. Auch dies wird in Sambia groß gefeiert und es wurde marschiert. Unsere Jugendlichen hatten nach einiger Zeit und Mühe dann doch zwei Lieder, die auf Landessprache (Losi und Tonga) gesungen wurden, auf die Beine gestellt und so konnten wir eine super Performance hinlegen.

 

Jonny war mit seiner Freundin in Urlaub und so hatten Louis und ich eine zweier WG die wir sehr genossen haben. Es gab Pfannkuchen und Schnitzel, ausschlafen und einfach unsere Ruhe. Für das Camp und den Labour Day war er wieder hier, ist aber jetzt noch mal Richtung Livingstone und Lake Kariba aufgebrochen. Demnach haben wir noch einmal das Haus nur für uns.

 

Leider war dieser Tage nicht alles rosig. Heute haben wir unsere Freundin, Mitfreiwillige und Mutter eines ungeborenen Kindes im Alter von 21 Jahren zu Grabe getragen. Sie war diejenige, die mir noch die Haare eingeflochten hat und die eine sehr zuverlässige Kids Club Mitarbeiterin war.

 

Bereits gestern sind wir im traditionellen Chitenge und mit Singen zu ihrem Haus gegangen. Dort trauern die Familienangehörigen und Freunde ab dem Todestag mindestens 3 Tage um die Verstorbene, bevor die Beerdigung stattfindet. Viele Familien bringt das in den finanziellen Ruin, da alle anwesenden Trauernden mit Essen versorgt werden müssen. Als wir gestern im Zambia Compound ankamen und vor einer Blechhütte standen, ist mir bewusst geworden, wie gut ich es selbst in unserem Haus hier habe. Die Familie saß im inneren, die anderen außerhalb im Schatten. Geschätzt waren bestimmt 25 – 30 Leute dort.

Wir halfen noch Geschirr zu waschen und Wasser zu holen, beteten und gaben einen kleinen Geldbetrag an die Familie.

Heute war dann die offizielle Beerdigung an der Katholischen Kirche und dem Friedhof etwas außerhalb von Choma. Die Trauernden kamen in ganzen Lastwagen zur Kirche und es wurde geschrieen und geweint, als die Menschen in die Kirche kamen. Die Frauen der Kirche sangen ihre Lieder und insgesamt herrschte eine sehr gedrückte Stimmung.

 

Der Gottesdienst schien mir einem deutschen Trauergottesdienst sehr ähnlich, verstanden habe ich allerdings nichts, weil der Gottesdienst auf einer der Landessprachen gehalten wurde. Als es dann zur „Bodyview“ (den Leichnam anschauen) ging, wurde es uns zu viel und wir sind aus der Kirche gegangen.

Es ist schon traurig und ein seltsames Gefühl, einen Menschen, einen Freund zu beerdigen der genauso alt ist wie man selbst. Es ist schlimm Freunde so trauern zu sehen, die seit der Grundschule beste Freunde waren…

Es gibt allerdings nichts was einem bewusster macht, wie real AIDS eigentlich ist. Manchmal scheint es in Vergessenheit zu geraten, denn es wird ja nicht darüber geredet!

 

Trotz allem werden Louis und ich übers Wochenende nach Lusaka fahren und dort unsere Mentoren besuchen, die hier aus ihrem Haus geschmissen wurden. Ihr neugebautes Haus ist derzeit noch nicht einzugbereit und so leben sie übergangsweise in der Hauptstadt. Obwohl ich Lusaka nicht besonders mag, freue ich mich auf Pizza, Einkaufszentren und gutes Essen J

 

Und vor der Türe steht der Tod,

Abends wird die Sonne rot

Wir leben gern auch ohne Strom

Und spielen mit des Nachbars Sohn.

Im Garten wachsen die Tomaten

Zu Mütz und Handschuh muss ich raten…

Liebste Grüße aus dem Süden in den Norden!

Seid alle gegrüßt und Umarmt!

 

Choolwe

Erneut sonnige Aussichten auf der Jahresversammlung der Freunde der Mmabana Foundation

Auch in diesem Jahr stand die alljährliche Mitgliederversammlung der Freunde der Mmabana Foundation unter einem guten Stern.

 

Bei herrlichstem Sonnenschein trafen wir im März erneut im schönen Au bei Freiburg zusammen, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und den Verein auf das kommende Jahr vorzubereiten. Wir blicken auf ein erfolgreiches Jahr zurück, in dem neben diversen Flohmarktaktionen, Radioauftritten und Vorträgen auch Infostände und Suchmaschinen mit Spendenfunktion eine aktive finanzielle Unterstützung des MCOP in Sambia ermöglicht haben. Wir hoffen, an diesen Erfolg im nächsten Jahr mit zahlreichen neuen Aktionen anknüpfen zu können – geplant ist unter anderem ein Spendenmarathon!

Auch in der Postenbesetzung des Vereins tat sich dieses Wochenende einiges, denn es standen Neuwahlen an. Diese ergaben einen Wechsel im Vorstand, in dem wir für das kommende Jahr mit Freude Natalie Zaiß und Gregor Wittkämper als erste und zweiten Vorsitzende/n begrüßen dürfen.

Ein Videogespräch mit dem ehemaligen Vorsitzenden Jean-Christophe Dalka, der sich zur Zeit im Projekt in Sambia befindet, rundete das Wochenende ab und gab uns allen einen umfangreichen Einblick in die wundervollen Fortschritte des letzten Jahres (ein Internetcafé für die Jugendlichen ist gerade im Bau). Diese sind nicht zuletzt durch die Mithilfe unseres Vereins ermöglicht worden, der nun mit neuem Elan gespannt auf ein neues Jahr schaut, in dem wieder viele neue Aktionen geplant sind – es bleibt spannend!

Kontaktaufnahme für Spendenmarathon: manuelagisela(at)aol.com

Kontaktaufnahme für Internet Cafe: jonny(at)dalka.co.za 

Kontaktaufnahme für Fundraiser CD: info(at)mmabana.org